Mein Motto 2026: Regulation vor Kooperation

Visitenkarten von Katja Andergassen mit dem Text "Regulation vor Kooperation"

„Regulation vor Kooperation“ ist für mich eine Arbeitshypothese, die sich im Alltag immer wieder bestätigt.

2026 möchte ich dieses Motto bewusster leben, klarer benennen und konsequenter vertreten: in meiner eigenen Praxis, in Seminaren und in der Arbeit mit Leitungen.

Was das konkret bedeutet, beschreibe ich hier. Dabei geht es nicht um ein neues Konzept, sondern um eine Haltung, die sich im Alltag von Fachkräften, Kindern und Leitungen ganz konkret auswirkt.

1. Ich beobachte mich bewusster und probiere weiter aus

Ich habe in den letzten Jahren vieles ausprobiert: Bewegung, Mosaik, Malen, Musik, zuletzt Stricken und Häkeln.

Nichts davon betreibe ich als festes Hobby. Ich sehe es eher als Experimente – geleitet von der Frage:
Was hilft mir gerade? Was brauche ich für meine eigene Regulation?

Nicht nur abends nach Tagen mit vielen Kontakten und viel Austausch, auch zwischendurch merke ich immer wieder: Ich brauche Regulation.

Ich sitze am Schreibtisch. Meine Gedanken springen. Ich lese denselben Absatz mehrfach, ohne ihn wirklich zu erfassen. Früher hätte ich weitergemacht und mich darüber geärgert, dass nichts vorangeht.

Heute halte ich kurz inne und spüre in mich hinein.

  • Manchmal reicht es, kurz aufzustehen.
  • Manchmal kritzle ich fünf Minuten.
  • Manchmal atme ich bewusst durch.
  • Manchmal brauche ich etwas in der Hand.

Was sich 2026 verändert

Ich möchte mich noch bewusster beobachten. Nicht kontrollierend, sondern mit Interesse:

  • Was passiert gerade in mir?
  • Was sind meine Warnsignale?
  • Was senkt mein Erregungsniveau?

Ich will weiter ausprobieren. Vielleicht kommt etwas Neues dazu. Vielleicht bleibe ich bei Altbewährtem.

Und ich spreche offener darüber:
in meinem Newsletter, auf meinem Blog, in Seminaren.

Denn wir sprechen sehr häufig über Regulation bei Kindern, aber selten über unsere eigene. Erst wenn wir uns selbst beobachten und ausprobieren, merken wir, dass nicht jede Methode zu jeder Person passt – und dass zum Beispiel eine Traumreise nicht für alle hilfreich ist.

Diese Erfahrung aus der eigenen Praxis prägt auch meinen Blick auf Kinder.

2. Ich mache noch deutlicher: Bei Kindern ist Regulation eine sehr häufige Funktion

In Seminaren zu herausforderndem Verhalten zeigt sich immer wieder: Wenn wir die Funktion hinter Verhalten betrachten, kommt Regulation sehr häufig vor – und sie kann sehr unterschiedlich aussehen.

Ob ein Kind wippt, mit den Haaren spielt, kritzelt, beißt oder wegrennt:
All diese Verhaltensweisen können der Regulation dienen.

Das Kind versucht, sich durch sein Verhalten vor der Krise zu bewahren – oder zumindest, sie hinauszuzögern.

In dieser Phase, kurz vor oder während einer Krise, kann ein Kind nicht kooperieren.

Trotzdem wird genau diese Regulation häufig unterbrochen:

„Hör auf, mit den Haaren zu spielen.“
„Sitz still.“
„Du kannst jetzt nicht rausgehen.“

Was sich 2026 verändert

Ich spreche noch klarer darüber, was das bedeutet:

Wenn wir Regulation unterbinden, ohne Alternativen anzubieten, machen wir Kooperation unmöglich.

Nicht, weil das Kind nicht will.
Sondern weil es nicht kann.

Ich zeige noch konkreter:

  • Woran erkenne ich, dass ein Kind reguliert und nicht provoziert?
  • Welche Regulationsstrategien können wir anbieten?
  • Was braucht ein Kind kurz vor der Krise – außer die Aufforderung „Beruhig dich“?

Ich teile mehr Beispiele aus meinen Seminaren und zeige, was passiert, wenn Teams anfangen zu denken:

„Aha. Dieses Kind reguliert sich gerade.“

Die Bewertung des Verhaltens verändert sich – und damit auch der Umgang im Team. Fachkräfte reagieren weniger strafend und mehr unterstützend. Das entlastet alle Beteiligten.

3. Ich erreiche gezielt die, die Regulation ermöglichen dürfen

In meinen Inhouse-Seminaren sprechen wir, wenn es um Stress, Überforderung und Krisen geht, sehr deutlich darüber, welche Aufgaben pädagogische Fachkräfte haben – und wo ihre Grenzen liegen.

Dabei wird immer wieder klar:
Wie gut Fachkräfte Kinder in Krisen begleiten können, hängt wesentlich von den Strukturen ab, in denen sie arbeiten.

In den Seminaren entwickeln wir gemeinsam Handlungspläne, die Regulation ermöglichen und Krisen vorbeugen sollen. Diese Pläne sind fachlich fundiert und alltagsnah. Und trotzdem zeigt sich in der Praxis immer wieder:
Sie greifen nur dann, wenn Leitungen sie mittragen und Führung bei der Umsetzung übernehmen.

Denn Regulation lässt sich nicht „nebenbei“ umsetzen.
Sie braucht klare Absprachen, verlässliche Strukturen und vor allem Zeit für Austausch und Reflexion.

Ohne diese Voraussetzungen geraten Fachkräfte im Alltag schnell wieder an ihre Grenzen – nicht aus mangelndem Willen, sondern weil im Alltag häufig genau das fehlt, was Fachkräfte dafür bräuchten: Zeit für Austausch, Reflexion und eigene Regulation.

Was sich 2026 verändert

Im April startet meine nächste Prozessbegleitung für Kita-Leitungen.

Ich arbeite gezielt mit denen, die die Rahmenbedingungen dafür schaffen müssen, dass „Regulation vor Kooperation“ im Alltag tatsächlich gelebt werden kann.

Im Mittelpunkt stehen dabei unter anderem folgende Fragen:

  • Wie kann ein systematisches Vorgehen etabliert werden, das im Alltag trägt – auch bei Personalmangel?
  • Wie lassen sich Reflexionsräume schaffen, ohne die Belastung der Teams weiter zu erhöhen?
  • Wie können Fachkräfte im Alltag Unterstützung einfordern, ohne sich dafür rechtfertigen zu müssen?
  • Wie nehmen wir alle Beteiligten mit in den Prozess – auch Eltern und gegebenenfalls weitere Akteur*innen rund ums Kind?

Dabei geht es nicht um fertige Konzepte von außen, sondern um Lösungen, die zur jeweiligen Einrichtung passen und realistisch umsetzbar sind.

Und ich benenne klar, warum dieser Schritt nicht verhandelbar ist:

Wenn Fachkräfte dauerhaft überfordert sind und sich selbst nicht regulieren können, steigt die Gefahr von Grenzverletzungen.

Regulation ist deshalb keine Zusatzaufgabe, sondern eine zentrale Voraussetzung für professionelles pädagogisches Handeln.


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Weiterbildung

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